Das rote Haus für Kinder

 

In neuen Räumen ... Wie alles begann 

(Zum Lesen, wer Zeit und Lust hat)

Das rote Haus für Kinder in Bexbach hat neu eröffnet (August 2014)

Wer nach qualitativer und erschwinglicher Mode für Kinder sucht und dabei gerne auf Ware aus zweiter Hand zugreift, der kennt es längst: das rote Haus für Kinder in Bexbach. In dem Secondhand-Geschäft von Gabi Kiefer finden Mütter, Väter, Omas, Opas und jeder, der Ausschau nach schöner Kinderbekleidung oder hochwertigen Spielwaren hält, alles was das Herz begehrt.

Vor vielen Jahren, im Oktober 2011, hat die gelernte Einzelhandelskauffrau ihr Geschäft eröffnet – anfangs noch in zwei Kellerräumen ihres roten Einfamilienhauses. Die zweifache Mutter erfüllte sich damit ihren Traum, familiäre Belange und Berufliches zu vereinbaren. Doch besonders in der Anfangsphase hatte sie dafür einige Hürden zu überwinden. „Anfangs habe ich noch meine Bekannten um Kleider angebettelt, damit ich Ware hatte“, erinnert sie sich. Nicht einfach war es auch, mit einem 1½-jährigen Kind im Gepäck ein Geschäft zu führen. Doch die Kunden haben Widrigkeiten wie zu passierende Türgitter, die angebracht waren, damit das Kleinkind nicht die Kellertreppe herunterfiel, anstandslos mitgemacht. „Letztlich hat dann doch immer alles gut funktioniert“, blickt sie heute zurück. Besonders ihren Kunden der ersten Stunde dankt Gabi Kiefer dafür, dass sie damals das Vertrauen hatten, ihre Sachen bei ihr abzugeben.

Wer die Geschäftsfrau näher kennt, weiß: Ihre große Stärke ist der Verkauf. Geschickt managte sie den Aufbau ihres Kleinbetriebes: tauschte Mobiliar aus, vergrößerte den Spielwarenbereich, platzierte Waren günstiger. Der Andrang an Kunden wurde mit der Zeit so groß, dass irgendwann für sie klar war: Ich brauche mehr Platz! Die Lösung war ein Anbau, den sie im Frühjahr mithilfe eines Architektenteams, der Fa. Flaccus und viel Eigeninitiative stemmte. Seit August 14 ist die Kellerphase vorbei, die neuen Räume im Anbau betritt man nun durch eine schöne Milchglastür mit dem bunten Logo des roten Hauses. Mit jetzt 75 Quadratmetern hat sich die Verkaufsfläche mehr als verdoppelt. Hinzu kommt die Terrasse, der vor allem in den Sommermonaten als zusätzliche Stellfläche für Fahrräder oder Sonderaktionen dient. Fünf Parkplätze stehen den Kunden ebenfalls zur Verfügung.

Dank der liebevoll eingerichteten Räume und Gabi Kiefers angenehmer und unkomplizierter Art, geht das Einkaufen im roten Haus sehr entspannt vonstatten. Während die Kleinen in der Kinderecke die Spielsachen ausprobieren können, schauen sich die Großen in Ruhe um. Wenn gewünscht erhält man dabei immer kompetente Beratung und kann sich sogar das ein oder andere, wie etwa Schuhe, Skianzüge oder Tragetücher, zur Auswahl und Anprobe mit nach Hause nehmen.

Aber auch wenn es mal Schwierigkeiten gibt, etwa wenn sich herausstellt, dass am gerade gekauften Anorak der Reißverschluss kaputt ist oder – wie schonmal vorgekommen – Nummern der Kundschaft vertauscht wurden: „Bisher haben wir immer eine Lösung gefunden, mit der alle zufrieden waren“, freut sich Gabi Kiefer. Wird Gebrauchtes abgegeben, achtet sie in erster Linie darauf, dass die Sachen keine Löcher oder Flecken aufweisen. An Waren nimmt sie sehr gerne Außergewöhnliches – etwa Kleidung im Retro-Look – oder Topaktuelles. Discountersachen wird man in ihrem Geschäft kaum finden, denn „das lohnt sich einfach nicht, da man mit dem Abverkauf im Verhältnis zum Neupreis sehr viel Arbeit hat“.

Bei alledem zeigt sich immer wieder: Secondhand-Mode ist Einstellungssache und hat nichts mit dem Geldbeutel zu tun: „Der Kundenkreis geht von der Marken- über die Waldorfmama bis hin zur „Hello-Kitty“-Fanatikerin, von der Hartz-IV-Empfängerin bis zur Ärztin“, so Gabi Kiefer. Viele kommen aus der näheren Umgebung und aus dem Bliesgau, aber auch aus Kusel, Landstuhl und Trier reisen Secondhandbegeisterte an, um bei ihr einzukaufen oder Gebrauchtes abzugeben. Sogar aus Südfrankreich hat sie schon Waren bezogen durch die Oma, die im Saarland wohnt.

Was Gabi Kiefers Konzept außerdem auszeichnet, ist der Komplettservice, den sie ihren Kundinnen und Kunden bietet: So gibt es z.B. einen Storchen- und Schlafsackverleih für Neugeborene und auf der Webseite des roten Hauses als „Ebay im kleinen“ eine „Suche für die Kunden“, wo man Direktangebote anderer Kunden finden kann, die nicht über den Verkauf im Secondhandgeschäft laufen. Ein Zusatzservice, der  genutzt wird, wie Frau Kiefer bestätigt. Überhaupt ist „Vernetzung“ ein wichtiges Stichwort für die engagierte Frau, die ein besonderes Talent hat, Menschen und Interessen zusammenzubringen.

An ihren Aktivitäten rund ums rote Haus lässt sie die Kundschaft regelmäßig teilhaben. Über ihre Webseite oder mittlerweile auch über Facebook und Instagram berichtet sie von aktuellen Angeboten oder Aktionen wie z.B. mit dem Deutsch-Rumänischen Freundeskreis, an den sie Sachen spendet, die nicht verkauft wurden und die die Kunden nicht zurückhaben möchten.

Vielen Dank an Frau Alexandra Emge (freiberufliche Journalistin) für den Textbeitrag.

Fortsetzung folgt ... Im März 2020 bin ich in 235 qm/2 gezogen....diese Geschichte schreibe ich auch noch auf. Versprochen !

Im Oktober 2019 besuchte das ZDF mit Drehscheibe Frau Kiefer in ihrem Roten Haus. Dieses Ereignis gab den Anstoß: Frau Kiefer wünschte sich erneut größere Räumlichkeiten. Wie es der Zufall wollte, bekam Sie vier Wochen später einen Tipp von einem Freund: eine ROTE Halle mit Motorrädern, 800m Luftlinie entfernt vom aktuellen Standort. Ein paar schlaflose Nächte später wagte Frau Kiefer den Schritt: „Wir machen es! Wir kriegen das hin!“ Und so folgte auf einen großen Ausverkauf im Februar 2020 am 1. März der Umzug in das neue rote Haus am Streitweg 1a. Am 07. März feierte sie mit ihrem Team und den treuen Kunden eine grandiose Neueröffnung, frei nach dem Motto „Bei uns gibt es alles, jetzt sogar auch Platz!“. Und dann….. kam Corona….

Nach dem ersten Lockdown konnte Gabi Kiefer unter den neuen Hygienebedingungen wieder öffnen und erlebte prompt einen wahnsinnigen Kundenansturm (BOOM!).

Durch den „Coronasommer“ fanden neue Kunden den Weg ins Rote Haus für Kinder, aus den verschiedensten Gründen: Nachhaltigkeit, Kurzarbeitergeld, aber auch bessere Sicht- und Erreichbarkeit. Nach wie vor die beste Werbung sind für Frau Kiefer zufriedene Kunden und Mund-zu-Mund Propaganda.

Der 2. Lockdown brachte sie an Ihre Grenzen. Das rote Haus durfte laut Ministerium als Babyfachmarkt zunächst geöffnet bleiben und wurde dann im Januar aufgrund einer Anzeige geschlossen. Nach 3 Tagen Wut war klar: „Gut, dann eben anders!“ Aktuell hat das Rote Haus einen Lieferservice eingerichtet und vermarktet die Ware mittels Live Auftritten auf Instagramm.

„Die unglaubliche Dankbarkeit der Kunden, die in Notfällen Kleider von mir bekommen (denn die Kinder hören ja im Lockdown nicht auf zu wachsen), zeigte mir, dass ich hier die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht aufstelle, sondern es der richtig und wichtig ist, den verzweifelten Müttern zu helfen, Schuhe, Winterkleidung, etc. für ihre Kinder zu besorgen. Wir machen so lange so weiter, so lange es nötig ist!“

 

Fortsetzung folgt….